Licht und Lyrik in Brasilien

Lichtinstallation „SOS Poesia“ im Museu de Art do Rio (MAR) in Rio de Janeiro, 2015, Dirk Vollenbroich (© Dirk Vollenbroich)

Lichtinstallation „SOS Poesia“ im Museu de Art do Rio (MAR) in Rio de Janeiro, 2015, Dirk Vollenbroich (© Dirk Vollenbroich)

 

Freundschaft

Zwei Monate nach der Preisverleihung am Internationalen Light Art Award (ILAA) in Berlin reiste der preisgekrönte Lichtkünstler Dirk Vollenbroich nach Brasilien. Im Gepäck mit dabei hatte er einen Koffer mit einer Lichtinstallation für ein ganzes Gebäude. Für den Künstler war dies ein Experiment: Sieben Tage hatte er Zeit, mit zwei Assistenten sein Werk S.O.S Poesia im Museu de Art do Rio (MAR) zu installieren. Mit Vorteil ohne technische Probleme, denn Ersatzteile wären vor Ort schwierig zu beschaffen gewesen.

Dirk Vollenbroichs Reise nach Brasilien stand im Zusammenhang mit der seit 2011 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Köln und Rio de Janeiro. Damals vor fünf Jahren hatte man den Herzschlag des Kölner Künstlers live von Deutschland über 12‘000 km nach Brasilien übertragen. Mit einem an seinem Körper angeschlossenen EKG wurde die Lichtsteuerung innerhalb eines Gebäudes in Rio über mobile Netzwerke synchronisiert. Von Nacht zu Nacht alternierend steuerte der Herzschlag seines Freundes und Schriftstellers Renato Rezende die Ausleuchtung. Dieses Jahr feiert Rio seinen 750. Geburtstag. Anlässlich dieses Ereignisses hatte Dirk Vollenbroich von März bis Mai zusammen mit seinem Schriftstellerfreund das Stadtmuseum für Moderne Kunst mit Licht und Lyrik inszeniert.

S.O.S Poesia 

In „My heart in Rio“ benutzte Vollenbroich das Licht, um die Aufmerksamkeit auf den unsere Leben bestimmenden Herzschlag zu lenken. Um die Vermittlung von Inhalten mittels Licht ging es ihm in seiner Installation S.O.S Poesia. Dazu übertrug er Texte seines Freundes Rezende und weiterer brasilianischer Schriftsteller in Morsezeichen. Diese wiederum übersetzte er in helles Licht. Die ausgestrahlten Lichtzeichen waren durch die Fenster des Museums aus der Stadt und vom Meer her sichtbar. Zeitgleich war der Morse-Code als gestreamter Text auf der Website des Museums abrufbar. Die gemorsten Textinhalte standen nicht im direkten Zusammenhang mit Licht. Dieses ermöglichte, die zum Teil systemkritischen Texte zeitgenössischer Schriftsteller, in ‚vor-digitaler‘ codierter Form zu ‚veröffentlichen‘.

Die Farbtemperatur des gewählten Lichtes entsprach dem Tageslicht. In vielen südlichen Ländern, insbesondere in Brasilien, wird dieses Licht sowohl als Arbeits- aber auch Wohnlicht genutzt. Wie man auf den Bilder sieht, wirkte es in der Umgebung des nächtlichen Warmlichts besonders bläulich. Akustisch wurde nur das Video untermalt. Der Ton gab das früher in der Telegrafie übliche drahtgebundene, elektronische Sende- und Empfangssignal wieder. In der Umgebung des Museums selber gab es keinen Sendeton.

Wie mir Dirk Vollenbroich mitteilte, wurde die Arbeit „SOS Poesia“ aufgrund des öffentlichen Interesses und auf Bitte des MAR Direktors und Kurators Paulo Herkenhoff nach dem 5. April um sechs Wochen verlängert.

 

YouTube: Museu de Arte do Rio

 

YouTube: SOS Poesia

 

Credits

Die Bilder und das erste Video auf dieser Seite hat mir Dirk Vollenbroich freundlicherweise für meinen Blog zur Verfügung gestellt.

Über Lichtfarben

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3 Antworten zu Licht und Lyrik in Brasilien

  1. deutschtrailer schreibt:

    Ein schönes wochenende ….❤️❤️❤️

  2. deutschtrailer schreibt:

    Sehr schöne Bilder, vielen dank Ruth Zihlmann….💗💗💗

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