Weiss im Licht der Renaissance

Detail aus Leonardo da Vincis FelsengrottenmadonnaLicht und Leben sind eins. Nachdem Gott bereits am ersten Tag der Schöpfung das Licht erschaffen hatte, um Tag und Nacht, hell und dunkel, zu unterscheiden, setzte er am vierten Tag die Himmelslichter, die Sonne, den Mond und die Sterne an das Himmelsgewölbe. Diese sollten der Erde Licht geben und Lebensgrundlage für sämtliche Lebewesen sein. Über die Schöpfungsgeschichte hinaus stellt Licht generell eine grosse Faszination dar. Licht ist immateriell, Licht ist nicht greifbar, Licht ist reine Energie und Licht bestimmt massgeblich das Aussehen unseres Lebensraumes. Letzteres hat insbesondere die Künstler der Renaissance mobilisiert.

In der Malerei der Renaissance stand die Frage der wirklichkeitsnahen Materialisierung des Lichts im Zentrum der Auseinandersetzung. Schon die Einführung der Zentralperspektive hatte zum Ziel, Abbild und reale Welt näher zusammenzuführen. Der Bildhauer Lorenzo Ghiberti (1378 – 1455 ) hob diesbezüglich besonders den Einfluss des Lichtes auf die Wahrnehmung der Farbe hervor. In dunkler Umgebung erschienen ihm alle Farben düster bis schwarz. Schliessen wir daraus, in heller waren sie entsprechend leicht und froh.

Ein Rezept für die konkrete Umsetzung in der Malerei lieferte der Architekt, Kunst- und Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti (1404 – 1472) in seinem berühmten und häufig zitierten Traktat „Della Pittura“ (Über die Malerei) von 1436. Alberti rückte darin den Vorgang des Sehens und der Wahrnehmung in den Vordergrund. Wie schon Ghiberti ging auch er davon aus, dass Licht die Qualität und die Wirkung von Oberflächen massgeblich prägt: „Weiss und Schwarz sind die Farben, mit deren Hilfe wir in der Malerei Lichter und Schatten darstellen“. Als heute anerkannter Wegbereiter der modernen Farbenlehre fügte er weiter hinzu, „dass Weiss und Schwarz keine eigentlichen Farben sind, sondern, wenn man so will, ‚Alteratoren‘ der anderen Farben… hat ja doch kein anderes Mittel als Weiss den höchsten Lichtglanz darzustellen, und desgleichen nur das Schwarz die letzten Tiefen auszudrücken. „Weiss und Schwarz sind in verschiedenen Abstufungen den Farben als Grundlage mitzugeben. Je grösser der Weissgehalt, desto heller wird die Farbe. Wie genau Schwarz und Weiss aufzutragen sind, beschreibt er detailliert in seinem Traktat. Alberti liefert damit eine wichtige theoretische Grundlage zum Verständnis des florentinischen Disegno, welches später als Antithese zum venezianischen Colore verstanden wurde.

Über Lichtfarben

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