Es passiert zwischen zwei Welten

"above-between-below", James Turrell, 2011, Kunsthalle BremenMenschen lassen sich gerne verführen. Wohl deshalb feiert der renommierte amerikanische Lichtkünstler James Turrell weltweit so grosse Erfolge. Turrell spielt mit der Wirkung des Lichts auf uns. Darauf lassen wir uns gerne ein. Mehr noch, wir sind sogar bereit, dafür Schlange zu stehen. Subtil eingesetztes farbiges Licht verklärt die Welt und der Himmel rückt in seinen zahlreichen Skyspaces in greifbare Nähe.

Skyspace Piz Uter, James Turell, ZuozTurrell pflegt aber auch den Bezug zur realen Welt. Im Skyspace von Zuoz wird durch die Türöffnung von einem bestimmten Punkt aus gesehen der Piz Uter gerahmt. Dieser Engadiner Berg hat die Form eines Vulkankraters und erinnert an den Roden Crater zuhause in Arizona. Im Skyspace „Above – Between – Below“ ist es das Abbild des Sternenhimmels der Antipode von Bremen vom 23. Juni 1961 um Mitternacht Ortszeit. In Bremen war es zu diesem Zeitpunkt 12 Uhr mittags. Aber warum hat Turrell genau diesen Tag gewählt?  Er ist von grosser Bedeutung, weil an diesem Tag die Türen der Kunsthalle nach den Zerstörungen des Krieges wieder geöffnet wurden.

James Turrell, Above - Between – Below, Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen © James Turrell, Foto: Harald Rehling

© James Turrell, Foto: Harald Rehling

„Above-Between-Below“ erinnert an dieses Ereignis. Turrell hat die Installation für die Wiedereröffnung der Kunsthalle Bremen im Jahre 2011 nach über zwei Jahren Bauzeit entworfen. Sie erstreckt sich über drei Stockwerke und besteht aus drei exakt übereinanderliegenden Lichträumen. Diese sind durch verglaste und begehbare, ovale Sichtöffnungen miteinander verbunden. Die Sichtachse zieht sich durch das gesamte Gebäude und erschliesst oben den realen Bremer Himmel und unten mittels eines ovalen Granitsteins mit Lichtpunkten das Abbild eines historisch relevanten Sternenhimmels.

James Turrell, Above - Between – Below, Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen, © James Turrell, Foto: Harald Rehling

© James Turrell, Foto: Harald Rehling

Im Spannungsfeld zwischen heute und früher sind die Besucher eingeladen sich auf die subtilen Farbveränderungen in den Lichtbändern einzulassen. Die Welt beginnt sich daraufhin zu verändern. Was war und was ist spielt vorerst keine Rolle mehr. Eine verklärte Welt tut sich auf. Die Verbindung zum „Jetzt“ wird hergestellt, wenn Museumsbesucher in den Sichtöffnungen in Erscheinung treten. Das „Gestern“ symbolisiert der schwarze Granitstein. Der Bogen ist geschlossen und die Kunsthalle Bremen lebt.

Über Lichtfarben

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2 Antworten zu Es passiert zwischen zwei Welten

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