Das Kunst-Werk selber ist aus Licht

James Turrell, Afrum (White), 1966Licht ist uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Wir brauchen Licht im Dunkeln. Mit Licht erzeugen wir Stimmungen und beleuchten Objekte. Licht ist in unserem Alltag ein unabdingbares Mittel zum Zweck. Ähnliches kennt man in der bildenden Kunst. Mit Licht lassen sich wichtige Bildelemente hervorheben, Licht bestimmt die Qualität der Farbe, Licht hellt auf, leuchtet und formt.

Die Kathedrale von Rouen im Sonnenlicht - Harmonie in Blau und Gold, 1893-2

Der Impressionist Claude Monet hat in seiner Bilderserie über die Kathedrale von Rouen mehrmals die gotische Hauptfassade gemalt. Diese leuchtet je nach Tageszeit in unterschiedlichen Farben. Der Minimalist Dan Flavin hat insbesondere aufgrund seiner Lichtinstallationen weltweiten Ruhm erlangt. Er setzt in seinen Werken Licht ein, das mit Leuchtstoff erzeugt wird. Das Licht ist in Röhren verpackt und wird als solches auch wahrgenommen. Zugleich erhellt und beleuchtet es den Raum.

In beiden Werken ist das Licht entweder Gegenstand der Malerei oder es ist ein gezielt eingesetztes Darstellungsmittel. Es bildet ab oder aber es weist auf die Bedeutung der leuchtenden Zeichen hin.

Dan Flavin, Ohne Titel (3) (in honor of Harold Joachim), 1977, The Dan Flavin Institute, Dia Art Foundation, Bridgehampton, New York

Anders bei James Turrell, dem bekannten Licht- und Raumkünstler aus Amerika: Turrell macht nicht nur Werke mit Licht, er schafft Werke, die das Licht selber sind. Angefangen hat es mit „Afrum-Proto“, seinem ersten Werk aus der Serie Cross-Corner-Projections. James Turrell entwickelte dieses Werk 1966 in einem alten Hotel in Ocean–Park, Kalifornien. Es handelt sich dabei um einen schwebenden Lichtkörper – ein Quader, materialisiert aus Licht – den man mal vor, mal hinter der realen Wandfläche wahrnehmen kann. Oder sind es einfach zwei trapez-förmige Flächen, die sich in der Ecke des Raumes berühren? Der Wahrnehmende entscheidet selber, was er sehen will.

Im Kunstverständnis von James Turrell vermittelt Licht nicht nur Information. In seinem Werk ist Licht selber Information. Dank Turrell ist es eine Erfolgsgeschichte, da er basierend auf diesem Grundsatz zahlreiche weitere, subtil gestaltete Lichtereignisse inszeniert hat. Sie wirken auf Besucher besonders stark, weil sie unfassbar aber dennoch sehr präzise sind. Schliesslich wecken die Licht-Werke Emotionen und laden zum Innehalten und zum Staunen ein.

Bildquellen:
http://lacma.wordpress.com/tag/james-turrell/
http://www.artyfactory.com/art_appreciation/landscapes/townscapes/monet/claude_monet.htm
http://www.flickr.com/photos/sixteen-miles/4122860039/

Über Lichtfarben

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2 Antworten zu Das Kunst-Werk selber ist aus Licht

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