Mit Licht das Bewusstsein für Wasser schärfen

Weite Teile Hollands liegen unter dem Meeresspiegel. Mit Deichen schützen die Menschen ihren Lebensraum. Zu den Mammutprojekten gehört der Afsluitdijk (Abschlussdeich). 32 km lang verhindert er seit rund 90 Jahr das Eindringen der gewaltigen Wassermassen der Nordsee in das Ijsselmeer.

Im Rahmen von Sanierungsarbeiten sollte neu auch auch der ästhetische und symbolische Werte des Deichs besser zum Ausdruck kommen. Für den niederländischen Künstler Dann Roosegarde war das Licht das richtige Mittel zum Zweck. In seinem Projekt „Waterlicht“ (Water Light) setzte er sich zum Ziel, das Bewusstsein der Menschen für das Wasser zu schärfen. Mit wogenden Lichtlinien stellte er am letzten Wochenende virtuell dar, wie hoch das Wasser ohne menschliche Intervention stehen würde.

„Waterlicht“ war eines der Initialprojekte des „Iconic Afsluitdijk“-Projektes. Im Verlaufe der Jahre 2016 und 2017 werden weitere Projekte folgen.

Wenn Gutes für die Welt auch Schön ist

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Renaissance der Glühbirne?

Leuchtende Glühbirne

Bild: Fabiano Panizzi/Shutterstock (Quelle: http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/licht-aus)

Seit 2012 dürfen in der EU Glühbirnen nicht mehr verkauft werden. Sie sind zu wenig energieeffizient und fallen gegenüber LED- und Spar-Lampen deutlich durch. Das könnte sich wieder ändern. Amerikanische Wissenschaftler wollen die Energieeffizienz von Glühbirnen mit einer Nano-Beschichtung auf 40 Prozent steigern. Dürfen Lichtromantiker also wieder hoffen?

Mehr Licht für die Welt

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Blaues Hamburg – Michael Batz

Blue Port: Auf 8,5 km Länge leuchtete der Hamburger Hafen ganz in blau (© Philips)

Blue Port: Auf 8,5 km Länge leuchtete der Hamburger Hafen ganz in blau (© Philips)

Wenn Hamburg blau leuchtet, hat der Lichtkünstler Michael Batz seine Hand im Spiel. Mich hat schon seit längerer Zeit interessiert, warum sich der Hamburger in seinen  Kunstaktionen regelmässig der blauen Farbe bedient.

Auf Antworten stiess ich im kürzlich erschienenen Buch über den Künstler:

Day-by-night-Aufnahme, aus: La nuit américaine, Truffaut

Day-by-night-Aufnahme, aus: La nuit américaine, Truffaut

Michael Batz macht Lichtkunst und ist Theatermacher. Er kennt sich aus mit Lichteffekten, auch mit jenen der Filmkunst. So lässt er sich vom Film „La nuit américaine“ inspirieren, wo ein spezielles Verfahren zum Einsatz kommt. Dem Zuschauer werden Nachtaufnahmen nur vorgetäuscht. Dieser Filtertrick wird Day-for-Night oder simpel Amerikanische Nacht genannt. Ein Blaufilter wird vor das Objektiv gesetzt und die Kamera ein bis zwei Blendenstufen unterbelichtet. Batz fand Gefallen an der gängigen cineastischen Praxis. Vor allem faszinierte ihn die Möglichkeit, mit einem künstlerischen Vorgang das natürliche Bild des Tages sichtbar zu verändern.

Foto blaue Stunde in der Speicherstadt, Hamburg

Blaue Stunde in der Speicherstadt, Hamburg (Copyright: Johannes und Gudrun Wolf, fotocommunity)

Michael Batz kennt auch die ästhetischen Qualitäten der blauen Stunde. Dieser Begriff bezieht sich auf die besondere Färbung des Himmels während der Zeit der Dämmerung nach Sonnenuntergang und vor Eintritt der nächtlichen Dunkelheit oder vom Übergang der Nacht zum Tag und des Sonnenaufgangs. Während kurzer Zeit hat das Blau des Himmels eine andere spektrale Zusammensetzung. Die Lichtverhältnisse sind in dieser Phase äusserst intensiv.

Die Farbe Blau birgt aber auch einen interessanten Gegensatz. Blau bedeutet einerseits Kühle, Distanziertheit und Tiefe. Andererseits bringt die Farbe ein hohes Mass an Intensität mit sich, weil es durch die kurze Wellenlänge im Spektrum Blau zur höchsten Energieverdichtung kommt.

Blau ist weiter eine Ereignisfarbe. Das Polizeiauto fährt mit Blaulicht, auch die Feuerwehr und die Ambulanz.

Ebenfalls kann blaues Licht in der städtischen Landschaft farblich Akzente setzen. Im Hafen Hamburg ist das Bestandslicht weiss, gelb, punktuell auch rot. In dieser Lichtumgebung hebt sich blaues Licht deutlich hervor.

Blue Goal: Ein Stadt-Raum-Licht-Kunst-Projekt für Hamburg, das "Tor zur Welt" (© Michel Batz: http://www.michaelbatz.de/licht/lichtkunst/blue_goal.html)

Blue Goal: Ein Stadt-Raum-Licht-Kunst-Projekt für Hamburg, das „Tor zur Welt“ (© Michel Batz: http://www.michaelbatz.de/licht/lichtkunst/blue_goal.html)

Bei so viel blauer Inspiration verwundert es nicht, dass Michael Batz auch seine Installationen entsprechend bezeichnet. „Blue Goals“ und „Blue Port“ heissen zwei bekannte Werke. „Blue Goals“ vereint 175 verschieden grosse, aus Metall konstruierte Fussballtore. Den Torrand rahmt intensives blaues Licht. Die „Blue Goals“ liess Batz anlässlich der letzten Fussballweltmeisterschaft in Deutschland über die ganze Stadt verteilt anbringen. „Blue Port“ fand letztes Jahr bereits zum fünften Mal statt. Insgesamt wurden 12’000 blaue Lichtpunkte über das Hafengelände verteilt und hoben ausgewählte Objekte des Hamburger Hafens lichtszenisch hervor.

Michael Batz wählt sein „Blau“ nicht zufällig. Er inszeniert die Farbe gezielt und lässt die Hansestadt immer wieder in anderem Licht leuchten.

Link

Hamburg.Licht.Kunst- Der Lichtkünstler Michael Batz

 

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Das farbige Eis von Harbin

Mit Eis zu arbeiten wäre wahrscheinlich nicht mein Ding. Zu kalt und zu hart ist die Materie. Aber anzuschauen, wie und was Eiskünstler so alles fertig bringen, beeindruckt mich hingegen schon.

Am 5. Januar wurde im Norden Chinas das Harbin Ice-Festival 2016 offiziell eröffnet. Kühl blauweiss präsentieren sich die eisigen Gebäude und Skulpturen den Besuchern tagsüber, nachts hingegen sind sie mit farbigem Licht in Szene gesetzt. Obwohl man sich zu jeder Zeit warm kleiden muss, scheint man sich in der dunklen Tageshälfte in einer ganz anderen Welt zu befinden. Licht verändert die Wahrnehmung der Welt. Licht ist deshalb auch ein Gestaltungsmittel, welches viele Künstler auf verschiedene Arten zu nutzen wissen.

Was die Erschaffer der Eisbauten von Harbin auszeichnet ist der Nutzen, den sie aus der Transparenz ihrer Materie ziehen. Sie bauen die Lichtquellen direkt in das Eis hinein. Die Gebäude und Skulpturen leuchten damit von innen heraus. Den Effekt, den sie damit erzielen, unterscheidet sich deutlich von dem, was man gemeinhin unter Gebäudebeleuchtung versteht. Die Künstlichkeit der Objekte wird doppelt untermalt und wie es scheint, herrscht darüber grosse Begeisterung. Das Winterfestival mit seinen Eisskulpturen lockt, gemäss Pressemeldungen,  jedes Jahr hunderttausende Besucher in die Stadt.

 

Links:

http://www.harbinice.com/

 

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Farbiger LED-Wachs bei Kerzenschein

LED-Sensor-Kerze (Copyright Ruth Zihlmann)Auf meinem Schreibtisch leuchtet eine Kerze im gewohnt warmen Kerzenlicht. Dennoch, die Kerze ist nicht gewöhnlich, denn das Wachs wechselt in einem angenehmen Rhythmus seine Farbe. Das kleine Wunder ist eine Kerze mit LED-Sensor. Sobald die Kerze brennt, beginnen die Flamme und das weisse Wachs zu leuchten. Wird die Flamme ausgeblasen, ist es vorbei mit dem Zauber.

LED gibt es eigentlich schon seit 1962. Es steht für „light-emitting diode“ oder Licht-emittierende Diode. Zuerst wurde die Technik als Leuchtanzeige und zur Signalübertragung genutzt. Dank technologischen Verbesserungen wurde die Lichtausbeute immer größer und Ende der 1990er Jahre haben LED-Leuchtmittel auch Einzug in den Alltag gehalten. Trotz der überdurchschnittlich hohen Lebensdauer und der ausgeprägten Energieeffizienz hat LED aber bis heute noch nicht wirklich Fuss gefasst.

LED-Sensor-Kerze (Copyright Ruth Zihlmann)Schweizerinnen und Schweizer halten sich auf dem LED-Leuchtmittel Markt noch sehr zurück. Dies zeigt eine kürzlich herausgegebene Studie des Bundesamts für Energie (BFE) zum Lichtmarkt Schweiz im Jahr 2014. Die zusammengetragenen Zahlen basieren auf den Angaben von etwas über hundert Marktteilnehmern, die über 90% des Schweizer Lichtmarktes repräsentieren. Aus der Studie geht hervor, dass im letzten Jahr auf dem Schweizer Markt rund 37.7 Millionen Stück Leuchtmittel verkauft wurden, pro Einwohner fast 5 Stück. An erster Stelle stehen Halogen-Glühbirnen mit 55%. An zweiter Stelle folgen mit 20% die Neonröhren. Auf nur gerade 11% kommen die LED-Leuchtmittel. Noch etwas schwächer dotiert sind die klassischen Energiesparlampen mit 5%.

LED-Sensor-Kerze (Copyright Ruth Zihlmann)

Im BFE rechnet man damit, dass sich die Zahlen in den nächsten Jahren verschieben werden. Die EU wird die Anforderungen an die Effizienz von Leuchtmitteln verschärfen und die weniger effizienten Halogenlampen immer mehr vom Markt verdrängen.

Obwohl ich noch heute dem warmen Glühlampenlicht etwas nachtraure, freut mich diese Entwicklung. LED und auch OLED sind nicht nur sehr energiesparsam, sie bergen auch ein immenses kreatives Potenzial. Dieses wird die Lichtindustrie und damit auch die Kunst in der Zukunft noch häufig mit Neuem bescheren. Währenddessen wird meine LED-Sensor-Kerze munter weiter flackern.

Weitere Informationen

Endspurt für Halogenlampen

Lichtmarkt Schweiz: LED hat noch grosses Entwicklungspotential (Medienmitteilung)

 

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Das Matterhorn auf Besuch in Bern

Rendez-vous Bundesplatz 2015 - Generalprobe

© Starlight Events/Projektil

Am diesjährigen Berner Lichtspektakel „Rendez-vous Bundesplatz“ bekommen die Besuchenden eine Geschichte erzählt. Im Zentrum steht der wohl beliebteste Schweizer Berg, das Matterhorn. In der Lichtshow ist es ein Wesen aus hartem Stein, das sich auf der Fassade des Schweizer Parlamentsgebäudes Besucherinnen und Besucher von einer verletzlichen Seite zeigt.

Die Geschichte beginnt als die Erde ein glühender Feuerball war. Langsam verändert sich die Oberfläche des Planeten durch Kometeneinschläge, Lava-Ausbrüche, Eiszeiten und tektonische Verschiebungen. Die Alpen entstehen und mit ihnen das Matterhorn, das Juwel der Berge. Dieses nimmt menschliche Gesichtszüge an, agiert als interessierter Beobachter und trägt seine Gefühle offen zur Schau.

Das Matterhorn-Gesicht freut sich am Idyll der Natur, reagiert erstaunt, aber auch neugierig, als plötzlich die Spezies Mensch auftritt. Dieser beginnt Gebäude zu bauen und den technischen Fortschritt voranzutreiben. Für den Berg wird es dabei immer lauter und ungemütlicher. Er zerbricht, als die Menschen ihn besteigen, ihn für sich immer mehr in Anspruch nehmen und schliesslich den Kristall aus seiner Stirn entfernen.

Die Natur reagiert prompt. Es donnert und blitzt. Heftige Gewitter treten auf und unter dem Druck einer gewaltigen Drohkulisse bricht plötzlich alles ein. Damit herrscht vorerst wieder Ruhe. Die Menschen besinnen sich und bringen den gestohlenen Kristall wieder zurück an seinen angestammten Platz. Freude stellt sich erneut ein und die Schönheiten der Natur bekommen ihren Raum wieder zurück. Der neue Frieden am Berg wird tüchtig gefeiert, untermalt mit dem Musiktitel „Respect“ von Aretha Franklin. Schliesslich verneigt sich das Matterhorn vor den Zuschauern auf dem Bundesplatz. Die Show endet auch dieses Jahr mit einem Zitat. Zum Thema passend wurde eines von Charles Darwin gewählt. Dieser hat die Menschen schon im 19. Jahrhundert zu einem respektvollen Umgang mit der Natur aufgefordert: „Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“.

Das bereits fünfte Licht- und Ton Spektakel von Starlight Events in Folge ist die erste vollständige Schweizer Produktion. Sie wurde gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv «Projektil» aus Zürich und dem Technikpartner «Auviso» aus Kriens realisiert. Seit Februar waren insgesamt bis zu 140 Personen am Projekt beteiligt. Die Show ist noch bis zum 29. November jeweils um 19:00 und 20:30 zu sehen.

Generalprobe Rendez-vous Bundesplatz 2015

© Starlight Events/Projektil

Premiere Rendevous Bundesplatz 2015

© Starlight Events/Projektil

© Starlight Events/Projektil

© Starlight Events/Projektil

Making-of


Copyright: PRfact AG

Weitere Infos:

Rendez-vous Bundesplatz
Projektil
auviso

 

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Blau, Weiss, Rot im Visier sinnloser Gewalt

Weltweite Solidarität mit Frankreich

Es sind keine schönen Ereignisse, die dazu geführt haben, dass weltweit die Farben Blau, Weiss und Rot an Gebäuden eigentlich herrlich leuchten. Gewalt versus Schönheit, ein Gegensatz, der uns in diesen Tagen beschäftigen muss.

In der Hauptstadt Frankreichs, in Paris, hat einmal mehr der Terror zugeschlagen. Weit über 100 unschuldige Menschen mussten dafür ihr Leben lassen. Dass es nach dem Anschlag auf die Redaktion von „L’Hebdo“ erneut die Seine-Stadt trifft, ist wohl kein direkter Angriff auf die drei Farben. Es muss andere Gründe geben, weshalb sich so viel aggressives Potenzial gerade in dieser Stadt entlädt.

Ich selber habe mich nicht mit meinem Profilbild an der Solidaritätskundgebungen auf Facebook beteiligt. Diese Art von Manifestation liegt mir nicht besonders. Dafür habe ich mich inhaltlich mit den drei Farben beschäftigt. Dabei ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie furchtbar gegensätzlich Menschen sein können. Blau wird mit Harmonie in Verbindung gebracht, Weiss mit Reinheit und Rot mit Liebe. Spezifisch auf die Flagge Frankreichs bezogen stehen sie für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Alles Ausdrücke, die mit positiven Attributen bestückt sind. Ich stelle mir gerade vor, wie schön es auf dieser Welt wäre, wenn sich die Menschheit einzig damit in Verbindung bringen würde. Aber die Anschläge in Paris zeigen deutlich, es gibt Menschen, die der Gewalt an anderen Menschen den Vorzug geben und auch bereit sind, selber ihr eigenes Leben zu lassen. Was genau der Sinn solcher Aktionen ist, erschliesst sich mir persönlich nicht. Aber vielleicht müsste man in Erfahrung bringen, was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht. Es wäre schön, es gäbe ein Gegenmittel, damit kein Raum mehr für solch sinnlose Terrorakte bleibt.

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Der Berner „Elephant walk“

Der Elefant unterwegs in Bern, Lichtprojekt von Michel Flückiger, 2015 ( Video-Ausschnitt)

Der Elefant unterwegs in Bern, Lichtprojekt von Michel Flückiger, 2015
( Video-Ausschnitt)

 

 

 

 

 

 

 

In den Strassen der Stadt Bern ist seit gewisser Zeit an ausgewählten Tagen ein schwarzer Elefant unterwegs, ohne Wärter aber zusammen mit einem Velofahrer. Dies ist nicht etwa ein Zufall, sondern eine Notwendigkeit. Die ungewohnte Erscheinung ist nämlich Teil eines Kunstprojekts und das Werk des Grafik-Designers Michael Flückiger. Das Projekt „Le Bruit Qui Court. Kunst ganz öffentlich.“ läuft während des ganzen Jahres 2015 und möchte die Diskussion um die Rolle der Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Bern anregen. Die Förderung vergänglicher Kunst ist eines der zentralen Themen. Gemeint ist Kunst, die nach einiger Zeit wieder verschwindet.

Zu den gelungenen Aktionen zählt Flückigers „Elephant Walk“. Der Schatten des Rüsseltieres bewegt sich in einem Kreis aus Licht auf allen grossen und kleinen Objekten, die den Strassenrand säumen. Selber bleibt das Tier unsichtbar, denn der Elefant ist eine inszenierte Schattenprojektion. Dafür hat Michael Flückiger sein Velo mit einem Geschwindigkeitsmesser, einem Projektor, einer Autobatterie und einem iPad ausgestattet. Je nach Fahrgeschwindigkeit trottet der Elefant gemächlich dahin oder rennt flink in vollem Tempo voran. Manchmal scheint er sich beinahe zu überschlagen. Macht der Velofahrer eine Pause, vertreibt sich der Elefant die Zeit mit Essen.

Der schwarze Berner Elefant spielt weiter die Hauptrolle im neuen Musikclip der Zürcher Band Legendary Lightness. Diese Band hat den Soundtrack von Flückigers Video „Elephant Walk“ beigesteuert. Medienberichten zufolge ist der Schattenelefant auch erfolgreich in den sozialen Medien unterwegs.

 

Website: Le Bruit Qui Court. Kunst ganz öffentlich.

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Treffpunkt Bundesplatz

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Bern steckt in den Vorbereitungen für das nächste Rendez-vous auf dem Bundesplatz. An dieser Stelle ein paar Bilder zur Einstimmung auf die kommende Lichtshow von und mit dem berühmtesten Berg der Schweiz, dem Matterhorn. Ab nächsten Freitag führen Licht, Bild und Ton durch die Zeit und projizieren ein eindrückliches Porträt der Natur und der Wirkung der Menschen auf ihre Entwicklung auf die Fassade des Schweizer Parlamentsgebäude.

These days, Berne is preparing the next “Rende-vous Bundesplatz.” At this point, below are some pictures to prepare people for the upcoming light show to showcase the most famous Swiss mountain, the Matterhorn. Starting next Friday, the show is a synthesis of light, images and sound that leads the audience through a timeline of the mountain’s history from time immemorial to the present day. The show projects onto the facade of the Swiss Parliament building an impressive portrait of nature and the impact of people on the mountain’s evolution.

Szenenbilder Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Szenenbilder Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

Vorbereitungen zum Rendez-vous Bundesplatz 2015, © Starlight Events/Projektil

http://www.rendezvousbundesplatz.ch

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Licht und Lyrik in Brasilien

Lichtinstallation „SOS Poesia“ im Museu de Art do Rio (MAR) in Rio de Janeiro, 2015, Dirk Vollenbroich (© Dirk Vollenbroich)

Lichtinstallation „SOS Poesia“ im Museu de Art do Rio (MAR) in Rio de Janeiro, 2015, Dirk Vollenbroich (© Dirk Vollenbroich)

 

Freundschaft

Zwei Monate nach der Preisverleihung am Internationalen Light Art Award (ILAA) in Berlin reiste der preisgekrönte Lichtkünstler Dirk Vollenbroich nach Brasilien. Im Gepäck mit dabei hatte er einen Koffer mit einer Lichtinstallation für ein ganzes Gebäude. Für den Künstler war dies ein Experiment: Sieben Tage hatte er Zeit, mit zwei Assistenten sein Werk S.O.S Poesia im Museu de Art do Rio (MAR) zu installieren. Mit Vorteil ohne technische Probleme, denn Ersatzteile wären vor Ort schwierig zu beschaffen gewesen.

Dirk Vollenbroichs Reise nach Brasilien stand im Zusammenhang mit der seit 2011 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Köln und Rio de Janeiro. Damals vor fünf Jahren hatte man den Herzschlag des Kölner Künstlers live von Deutschland über 12‘000 km nach Brasilien übertragen. Mit einem an seinem Körper angeschlossenen EKG wurde die Lichtsteuerung innerhalb eines Gebäudes in Rio über mobile Netzwerke synchronisiert. Von Nacht zu Nacht alternierend steuerte der Herzschlag seines Freundes und Schriftstellers Renato Rezende die Ausleuchtung. Dieses Jahr feiert Rio seinen 750. Geburtstag. Anlässlich dieses Ereignisses hatte Dirk Vollenbroich von März bis Mai zusammen mit seinem Schriftstellerfreund das Stadtmuseum für Moderne Kunst mit Licht und Lyrik inszeniert.

S.O.S Poesia 

In „My heart in Rio“ benutzte Vollenbroich das Licht, um die Aufmerksamkeit auf den unsere Leben bestimmenden Herzschlag zu lenken. Um die Vermittlung von Inhalten mittels Licht ging es ihm in seiner Installation S.O.S Poesia. Dazu übertrug er Texte seines Freundes Rezende und weiterer brasilianischer Schriftsteller in Morsezeichen. Diese wiederum übersetzte er in helles Licht. Die ausgestrahlten Lichtzeichen waren durch die Fenster des Museums aus der Stadt und vom Meer her sichtbar. Zeitgleich war der Morse-Code als gestreamter Text auf der Website des Museums abrufbar. Die gemorsten Textinhalte standen nicht im direkten Zusammenhang mit Licht. Dieses ermöglichte, die zum Teil systemkritischen Texte zeitgenössischer Schriftsteller, in ‚vor-digitaler‘ codierter Form zu ‚veröffentlichen‘.

Die Farbtemperatur des gewählten Lichtes entsprach dem Tageslicht. In vielen südlichen Ländern, insbesondere in Brasilien, wird dieses Licht sowohl als Arbeits- aber auch Wohnlicht genutzt. Wie man auf den Bilder sieht, wirkte es in der Umgebung des nächtlichen Warmlichts besonders bläulich. Akustisch wurde nur das Video untermalt. Der Ton gab das früher in der Telegrafie übliche drahtgebundene, elektronische Sende- und Empfangssignal wieder. In der Umgebung des Museums selber gab es keinen Sendeton.

Wie mir Dirk Vollenbroich mitteilte, wurde die Arbeit „SOS Poesia“ aufgrund des öffentlichen Interesses und auf Bitte des MAR Direktors und Kurators Paulo Herkenhoff nach dem 5. April um sechs Wochen verlängert.

 

YouTube: Museu de Arte do Rio

 

YouTube: SOS Poesia

 

Credits

Die Bilder und das erste Video auf dieser Seite hat mir Dirk Vollenbroich freundlicherweise für meinen Blog zur Verfügung gestellt.

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